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Andreas Jürgensen, der Betreiber des L-Camera-Forum organisierte einen Workshop mit 8 ausgewählten Usern und dem Produktmanagement der Leica Camera AG um die neue Leica SL zu testen. Glücklicherweise wurde ich ausgewählt. Am Freitag, den 13.11.2015, dem ersten Tag der „Leica Erlebnistage“ trafen wir uns. Immer 2 Personen teilten sich eine Leica SL mit dem neuen Leica Vario-Elmarit-SL 1:2,8–4/24–90 mm ASPH.. Die Beispielbilder dieses Beitrag stammen aus meinem Team, die Produktbilder direkt von Leica. Mehr zum Model auf den Bildern gibt es hier…

Disclaimer: Dieser Artikel ist bewusst als persönlicher Erfahrungsbericht verfasst. Pixelgenaue Vergleiche können in zahlreichen anderen Blogs und Foren gefunden werden. Unter der Adresse https://flic.kr/s/aHskm1Y2Nq sind die Bilder in voller Auflösung zu finden.

Unser Team setzte sich das Ziel, die Kamera ohne das zugehörige neue SL-Objektiv zu testen. Im Nachhinein betrachtet, könnte man es damit vergleichen, eine Probefahrt mit einem Rennmotorrad auf dem Drahtseil in einem Zirkuszelt zu machen. Abgestürzt sind wir nicht, aber uns ist einiges der möglichen Leistung entgangen. Nur das Leica APO-Summicron-M 1:2/50 ASPH. konnte – während unseres Tests – seine Leistung ausspielen. Das alte Noctilux f1.0 ist auf den alten M-Kameras ein wunderbares Objektiv – auf der SL würde ich jedoch die modernen High-End-Objektive bevorzugen.

 

Die Kamera

Wer die Sony Alpha 7 und die Leica S kennt, kann sich gut die Leica SL vorstellen. Sie ist – typisch spiegellos – verhältnismäßig klein und bietet Bedienkonzept und Haptik der Leica S. Auf den ersten Blick erscheint sie nicht wunderschön, doch wer Sie in der Hand hält wird sie mögen. Sie ist extrem wertig verarbeitet. Die Kamera bietet alles, was ein ambitionierter Fotograf (der keinen Mittelformatsensor benötigt) erwartet. Ein Knopfdruck und die Kamera verwandelt sich in eine professionelle Videokamera. Sie filmt in 4K und bietet einen unkomprimierten Ausgang für eine externe Aufzeichnung. Die wenigen vorhandenen Knöpfe sind einfach zu erreichen und bei Bedarf auch umzuprogrammieren.

Ich habe die Bedienung nur wenig genutzt und nach einmaligem Einstellen gleich losgelegt. Das Fazit unserer Runde war, dass man sich auf jeden Fall eine Zeit mit der Bedienung der Kamera beschäftigen sollte. Sie erschließt sich nicht auf Anhieb. Hier merkt man schnell, dass es sich hier um eine professionelle Kamera handelt. Machbar ist sehr viel. Ein halber Tag ist zu wenig um alle Funktionen kennenzulernen. Unserer Zweiergruppe genügte die Belichtungskorrektur und Auto-ISO als einzige Parameter.

 

Einige technische Daten:

  • Sensor: 24-MP-CMOS-Sensor (24 × 36 mm) Vollformat (24 MP): 6000 x 4000 Pixel, Ohne Tiefpassfilter, mit IR-Filter
  • ISO-Empfindlichkeit: ISO 50 bis ISO 50000
  • Prozessor: Leica Maestro II Serie
  • Video: MP4, MOV z.B. in 4K (4096 x 2160) @ 24 Bilder/s
  • EVF (Elektronischer Sucher): SXGA, 4.4 MP mit 100% Abdeckung, Dioptrien-Korrektur – 4 bis +2
  • Speichermedien: SD-Karte Slot 1 (UHS II) mit max. Schreibgeschwindigkeit von 100 MB/s, SD-Karte Slot 2 (UHS I) mit max.Speichergeschwindigkeit von 30 MB/s
  • Verschluss: 1/8000 s bis 60 s, im Bulb-Modus bis zu 30 min, max. Bildrate von 11 Bildern/s
  • Gehäuse: Aluminium (gefräst) mit Staub- und Spritzwasserschutz
  • Abmessungen/Gewicht 147 x 104 x 39 mm (B x H x T)/ca. 771/847 g (ohne/mit Akku)

 

Objektive

Die Leica Camera AG und deren Vorgängerfirmen haben einige Objektivsysteme auf den Markt gebracht. Von M39 (dem Schraubleicagewinde) über M, R, T und S können fast alle Gläser auf die neue SL adaptiert werden. Auch wenn heute noch nicht alle Adapter verfügbar sind, bietet Leica hier eine verlockende Möglichkeit auch alte Schätzchen oder moderne Objektive von Leica M und S mit dem neuen System zu nutzen. Ich bin dieser Verlockung erlegen und habe das wunderbare Leica Vario-Elmarit-SL 24–90 mm im Besprechungszimmer stehen lassen. Es war ein großer Fehler und fordert eigentlich eine zweite Runde des Tests. Ich denke, man sollte sich den Mehrpreis für ein „natives“ Objektiv für das SL System gönnen. Alle Bilder des 24-90 mm, die ich gesehen habe und auch die technische Vorstellung des Objektivs auf den Leica Erlebnistagen, zeigen mir, dass ich das Hochleistungsobjektiv zu Unrecht ignoriert habe.

Eine andere Gruppe unseres Workshops hat die wichtigsten Leica R Objektive getestet. Wir haben uns hauptsächlich mit Leica M39 und M-Objektiven beschäftigt.

 

Unser Test

Wir verpassten der SL einen Adapter der Leica T um die M-Objektive zu adaptieren. Der Adapter kann die 6-Bit-Codierung auslesen und in die EXIF-Daten der Bilder schreiben. In Kamera und Lightroom können dadurch passende Profile auf die Rohdaten angewand werden.
Zu Beginn nutzten wir das Leica Noctilux-M 50mm. Mit einer Offenblende der Superlative und einem eher kontrastärmeren Bild kämpften wir mit der korrekten Schärfe. Der Live-View und der wunderbare Sucher mit dem Fokus-Peaking sind bei Blende 1.0 und einem Kleinbild-Sensor noch keine Garantie für scharfe Bilder. Sehr schnell ist man aus dem Schärfebereich raus.

Später konnte ich im werkseigenen Ladengeschäft das 50mm APO-Summicron testen. Hier war es kein Problem scharfzustellen. Die Bilder sind zwar fotografisch nicht anspruchsvoll, aber perfekt in Schärfe und Belichtung. Wir denken, dass die Leica SL moderne APO oder ASPH-Optiken von Leica verdient hat. Hier freue ich mich auf das angekündigte 50er für das L-Bajonett. Dieses Summilux wird sicher sehr interessant werden und ein direkter Angriff auf die Zeiss Otus und Sigma Art-Objektive sein.

 

Leica SL - Leica Noctilux-M 1:1/50

Leica SL – Leica Noctilux-M 1:1/50 – Foto: John Görten

 

Leica SL - Leica Noctilux-M 1:1/50

Leica SL – Leica Noctilux-M 1:1/50 – Foto: John Görten

 

Leica SL - Leica Noctilux-M 1:1/50

Leica SL – Leica Noctilux-M 1:1/50 – Foto: John Görten – Model: Lilith Whitic

 

 

Leica SL - Leitz Elmar f=9cm 1:4

Leica SL – Leitz Elmar f=9cm 1:4

 

Leica SL - Leica APO-Summicron-M 1:2/50 ASPH.

Leica SL – Leica APO-Summicron-M 1:2/50 ASPH.

 

Leica SL - Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

Leica SL – Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

 

Leica SL - Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

Leica SL – Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

 

Leica SL - Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

Leica SL – Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

 

Leica SL - Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

Leica SL – Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

 

Leica SL - Leica Noctilux-M 1:1/50

Leica SL – Leica Noctilux-M 1:1/50 – Foto: John Görten – Model: Lilith Whitic

 

Leica SL - Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

Leica SL – Leitz Wetzlar Fisheye-Elmarit-R 1:2.8/16

 

Stärken

Die Leica SL soll mit den neuen SL-Objektiven einen extrem schnellen Autofokus bieten. Da wir diesen nicht getestet haben, glaube ich den meinen Mit-Testern. Ich werde den Autofokus das nächste Mal auf die Probe stellen.

Der 4,4 Megapixel 100%-Sucher ist sehr groß und ist – neben dem Sensor – einer der Hauptfeatures der Kamera. Wir haben fast nur mit dem Sucher scharfgestellt und konnten im Vergleich zu dem „echten“ Bild der M keine Unterschiede fühlen. Der Sucher war für uns kein Feature das aufgefallen ist. Es war wie gewöhnlich. Ein sehr gutes Zeichen. Endlich sind die Sucher auf dem Niveau der Spiegelreflex und Messsucherkameras angekommen (ohne deren Nachteile).

Jeder, der mit Produkten der verschiedenen Objektivherstellern gearbeitet hat, wird die hohe Qualität aus Wetzlar bescheinigen können. Ich bin extrem begeistert von den unzähligen Objektiven von Leica. Die SL verspricht über Adapter 145 Objektive von Leica nutzen zu können. Die Kamera ist daher ideal für alle, die seit Jahren sehr gute Leitz und Leica-Optiken in den Schränken schlummern haben. Nach Aussage der Produktmanager ist der Sensor und die Software der auf die Verwendung der alten Optiken optimiert. Dies ist sicher ein Vorteil im Vergleich zu den Produkten des Wettbewerbers Sony.

Die Verarbeitungsqualität ist Leica-typisch. Sicher kann man viele Jahre mit der Kamera Freude haben. Das Gehäuse und die neuen Objektive sind aufwendig abgedichtet. Endlich kann man ohne schlechtes Gewissen bei jedem Wetter fotografieren.

Grundsätzlich ist die Kamera technisch auf der Höhe der Zeit. USB 3.0, GPS, WLAN und weitere Features sind selbstverständlich auch an Bord.

 

Schwächen

Natürlich ist jedes neue Produkt nicht 100%ig ohne Schwächen. Viele Themen können heutzutage per Softwareupdate korrigiert werden. Wir waren grundsätzlich mit den Ergebnissen der Bilder zufrieden. Beim Fokus Peaking hätten wir beim Noctilux etwas mehr Unterstützung gebraucht… aber bei einem manuellen Spitzenobjektiv ist der Fotograf an unscharfen Bildern nicht ganz unschuldig.

Da wir Zuwenig in den Menüs der Kamera gestöbert hatten, sind uns hier kein Verbesserungsideen aufgefallen. Sicher werden hier noch einige Verbesserungen nachgeliefert.

Meine Bilder konnte ich in Lightroom nicht perfekt bearbeiten, da zum Zeitpunkt der Bearbeitung noch keine Profile für die SL verfügbar waren.

Der Preis der Leica SL + LEICA Vario-Elmarit-SL 2,8-4,0/24-90mm ASPH. ist mit 6.900 EUR + 4.300 EUR sicher nicht jedermanns Sache. Im Vergleich zu einer Nikon D4s mit Nikkor AFS 24-70mm/2,8 mit gut 7.000 EUR, stellt sich die Kamera-Objektiv-Kombination mit einem Leica-typischen Aufpreis an den Verkaufsstart. Ich bin überzeugt, dass man mit dem Vario-Elmarit sicher eine bessere Figur macht. Ich habe die beiden Kombinationen nicht verglichen, bin aber gespannt auf die ersten Vergleiche anderer Blogger.

Für mich ist die Größe der Objektive auch ein wichtiges Kriterium. Leica mutet seinen Kunden mit dem LEICA Vario-Elmarit-SL 2,8-4,0/24-90mm ASPH. ein sehr großes Objektiv zu. Im Vergleich zum Nikkor AFS 24-70mm/2,8 ist es aber ähnlich groß. Da der Autofokus nur mit den Originalobjektiven seine Stärken ausspielen kann, gehört das Vario-Elmarit auf jeden Fall in die Fototasche des Leica SL-Besitzers. Ich würde die Kamera mit meinen Leica M-Objektiven nutzen. Mit dem 50er APO macht die SL eine sehr gute Figur.

 

Mein persönliches Fazit

Für mich trat die Leica SL gegen meine M9 an. Auch wenn es ein unfairer Vergleich ist ging es mir darum, die technischen Grenzen der M zu erweitern. Die bauartbedingte Naheinstellgrenze von 0,7 Metern und der eingeschränkte ISO-Bereich der M9 waren für mich interessanter als der mögliche Autofokus der SL. Für meine Art der Fotografie komme ich ganz gut ohne Autofokus aus. Beim manuellen Scharfstellen hat für mich die M mit ihrem feinen Messsucher immer noch einen Vorteil gegenüber dem Live-View. Auch wenn die SL einen deutlich besseren Live-View als beispielsweise die Leica M Typ 240 bietet, so hat er für mich persönlich gegen meine M9 mit Messsucher keinen Vorteil.

Ich werde mir diese Kamera nicht kaufen, weil sie nicht zu meiner Arbeitsweise passt. Ich werde sie aber jedem empfehlen, der eine Universalkamera sucht, mit der er für alle Situationen gerüstet ist. Als Einschränkung sehe ich den Geldbeutel und die Größe der Objektive an. Wer hier klarkommt, wird sicher sehr viel Freude und wunderbare Ergebnisse bekommen.

Ich möchte mich recht herzlich bei Andreas und dem Team von Leica bedanken. Es war eine gute Gelegenheit ein Produkt vor dem Verkaufsstart zu testen und eine Rückmeldung an das Produktmanagement geben zu dürfen. Ich wusste schon aus der Vergangenheit wie engagiert die Mitarbeiter von Leica sind. Sie geben sichtlich Ihr Bestes und sind offen für Anregungen und Ideen Ihrer Kunden. Hier kann – meiner Meinung nach – kein anderer Hersteller mithalten. Ich hoffe die Neider die, ohne die Kamera berührt zu haben, darüber schreiben, überzeugen sich live eines Besseren und zeigen mit einem fairen Urteil wahre Größe.

 

Zum Vergleich anbei noch einige Eindrücke…

…eingefangen mit der M9.

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Model : Lilith Whitic

 

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Model: Lilith Whitic

 

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Model: Lilith Whitic

 

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.

Leica M9, Leica Summilux-M 1:1.4/35mm ASPH.